
Zur
Wochenmitte nun dieses Gedicht:
An Neugier hab ich nie gelitten,
drum in
der Schule Jahr für Jahr,
saß ich als Letzter unumstritten,
weil ich nie
wissbegierig war.
Die andern plagten sich indessen,
Ich dacht nicht
nach, kam nicht in Schweiß,
was man nicht lernt, wird nicht vergessen.
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Mir
macht kein Kreuzworträtsel Kummer
wozu die Lösung voller Qual?
Die steht
ja in der nächsten Nummer
und steht se nicht, ist‘s auch egal.
Wenn ich
'nen guten Wein bestelle,
frag ich nie vorher nach dem Preis.
Erst trink
ich ihn auf alle Fälle -
was ich nicht weiß, macht mich nicht
heiß.
Muss
ich was Zweifelhaftes kauen,
verspür ich keinen Wissensdurst.
Ich hab
selbst zu 'ner Wurst Vertrauen -
das, was da drin ist, ist mir Wurst.
Mich macht kein Ragout Fin beklommen
und beim Genuss des Hühnereis,
da frag ich nicht, woher 's gekommen -
was ich nicht weiß, macht mich
nicht heiß.
Wie
alt 'ne Frau, war nie mein Eifer,
macht ich mit ihr 'nen Seitensprung,
Frauen altern nicht, die werden nur reifer,
solang 'se lieben, sind se
jung!
Ich fragte nie 'nen Herzensfalter:
„Wie ist dein Alter? Schnell,
beweis!"
Ich frug nicht mal: „Wo ist dein Alter?"
Was ich nicht weiß,
macht mich nicht heiß.
Ich
hab ne Frau von leichtem Blute,
drum, reise ich mal, meld‘ ich genau
die
Rückfahrtszeit auf die Minute
und danach richt‘ sich meine Frau.
Dann
springt se schon, sobald ich nah bin -
ich komm‘ nie plötzlich von der Reis.
Dann ist se treu - sobald ich da bin...
Was ich nicht weiß, macht mich
nicht heiß.
So
schau ich mild auf alle Tücken,
drum brauch‘ ich, geh‘ ich einst zur Ruh,
nur noch ein Auge zuzudrücken,
das andre drückt ich hier schon zu.
Schlaf lächelnd ein auf meinem Sitze,
lass mich verbrennen sanft und
leis‘,
komm trotz der Hitze nicht in Hitze,
was ich nicht weiß, macht
mich nicht heiß.