Dienstag, 31. Januar 2017

Damals




Insel-Almanach 1916
Nun sollen wir versagte Tage lange
ertragen in des Widerstandes Rinde;
uns immer wehrend, nimmer an der Wange
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,
die schwache Lampe überredet linde.
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.

Hast du denn ganz die Rosen ausempfunden
vergangnen Sommers? Fühle, überlege:
das Ausgeruhte reiner Morgenstunden,
den leichten Gang in spinnverwebte Wege?
Stürze in dich nieder, rüttle, errege
die liebe Lust: sie ist in dich verschwunden.
Und wenn du eins gewahrst, das dir entgangen,
sei froh, es ganz von vorne anzufangen.

Vielleicht ein Glanz von Tauben, welche kreisten,
ein Vogelanklang, halb wie ein Verdacht,
ein Blumenblick (man übersieht die meisten),
ein duftendes Vermuten vor der Nacht.
Natur ist göttlich voll; wer kann sie leisten,
wenn ihn ein Gott nicht so natürlich macht.
Denn wer sie innen, wie sie drängt, empfände,
verhielte sich, erfüllt, in seine Hände.

Verhielte sich wie im Übermaß und Menge
und hoffte nicht noch Neues zu empfangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
und meinte nicht, es sei ihm was entgangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
mit maßlos übertroffenem Verlangen
und staunte nur noch, dass er dies ertrüge:
die schwankende, gewaltige Genüge.
 

 Rainer Maria Rilke,
im Dezember 1913, Paris

 


Montag, 30. Januar 2017

Zuhause




Weißer Teppich, Flockenwirbel,s
sanft gedämpft ist jeder Laut.
Die Natur im Winterkleide, 
ist so angenehm vertraut.

Alle Bäume schwer beladen, 
unberührt das weite Feld.
Eingeatmet Lebensfrische, 
ist man Teil von dieser Welt.

Dämmerung, überall die Lichter locken,
gemütlich in den warmen Stube hocken.
Kätzchen ruht am Ofen müde und matt,
schön ist es wenn man ein Zuhause hat.



Sonntag, 29. Januar 2017

Ausgetrickst




Markus",  so spricht der Schulfreund Paul,
                   "du warst immer stinkend faul,
                    und auch nie besonders schlau,
                   Aufsatz unter aller Sau!
                   War das Thema extra leicht,
                   hat's mal grad zur 5 gereicht.
                   Und seit diesem Schuljahr, Mann,
                   bringst du lauter Einser an!
                   Zwar, du weißt, ich gönn' dir was,
                  aber sag, wie kommt denn das?"
Markus: "Ich lag früher weit zurück,
                   dir verrate ich den Trick.
                   Doch wir bleiben nur die Alten,
                   wirst du es für dich behalten!"
                   Und der gute Paul der spricht:
                   "Alles klar,  ich halte dicht."
  Markus:"Bescheidenheit ist eine Zier,
                    doch weiter kommt man ohne ihr!                   

 Weißt du, wo der Wind  her weht?

                    Guck mal, was da drunter steht:
                    Alle Rechte vorbehalten,
                   einschließlich der Verfilmung und
                   der Übersetzung in andere Sprachen."

Wolken





Wolkengebilde, himmelgrau verhangen,
Eiszapfen bilden lange Stangen.
Väterchen Frost lässt die Natur erstarren
und die Menschen still verharren.

Schnee deckt alles behutsam zu,
schafft gedämpfte, schöne Ruh´
Fast hält man den Atem an,
damit alles sich entfalten kann.

Raureif schmückt im Winterkleid
Wald und Wiesen weit und breit.
Wie Kristalle glitzern Wege,
weiß verhüllt sind alle Stege.

Wir stapfen raus in die Natur,
erleben Winterzauber pur.
Fußspuren führen zur Hütte hin,
dort brennt ein Feuer im Kamin.

Wohlige Wärme breitet sich aus,
wir fühlen uns ganz wie zu Haus.
Bratapfelduft erfüllt den Raum,
es ist wie in ´nem Kindertraum.


Freitag, 27. Januar 2017

Vergänglichkeit


Der Mann von Schnee
Schneemann dort am Gartenzaune
Hat gar eine üble Laune.
Steht er da voll Trutz und Groll,
Weiß nicht, was er reden soll.
Und die Sonne blinkt und blitzt,
Daß er wie ein Kranker schwitzt.
Weil der Himmel ist so blau,
Ärgert er sich braun und grau;
Weil die Wiesen werden grün,
Ärgert er sich schmal und dünn.

Schneemann ist in großer Not,
Denn es winkt ihm schon der Tod.
Noch ein Schnapper, noch ein Schnauf
Und er steht nicht wieder auf.
Kommen dann die schwarzen Raben,
Seine Leiche zu begraben.
Und Schneeglöcklein will vor Freuden,
Ihm die Sterbeglocke läuten.
Und die Lerch' vor allen Dingen
Ihm ein Schlummerliedchen singen.

Aber wo ist er zu finden?
Vornen nicht, und auch nicht hinten.
Freilich, weil ihm ganz zerbrochen
An der Sonne seine Knochen,
Weil zu Wasser er zerronnen
An dem Glanz der goldnen Sonnen.
Kommt der Storch dazu geflogen,
Und die Schwalbe hergezogen,
Fragen nach dem toten Mann,
Niemand von ihm sagen kann.

Wälzt der Storch mit seinem Bein
An den Zaun hin einen Stein;
Und die Schwalbe mit dem Schnabel
Schreibt darauf die ganze Fabel:
Hier liegt Einer, der im Leben,
Weiter keinen Taug gegeben;
Der sich faul und sehr verstockt,
Lebenslang daher gehockt;
Und damit er doch nicht länger
Bleiben soll ein Müßiggänger,
Und ein Griesgram und ein Hasser,
Schmolz der Frühling ihn zu Wasser;
Und damit will er begießen
All' die Blumen auf den Wiesen,
Dass sie weiß und gelb und grün
Euch zur Lust und Freude blüh'n. 


Friedrich Wilhelm Güll

Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Kuss




O wer den Kuss erfunden,
Der Liebe süssen Kuss,
Der hat es tief empfunden,
Mit schmerzlichem Verdruss,
Dass, um der Lieb' Entzücken
Ihr Hoffen, ihren Harm,
Ihr Sehnen auszudrücken,
Die Sprache viel zu arm.

Wie schaute der verlegen
In Liebchens Angesicht,
Als für des Herzens Regen
Er fand die Worte nicht!
Da half, sein Leid ermessend,
Ein guter Genius:
Und Lipp' auf Lippe pressend
Erfand er so den Kuss.

Als sich das zugetragen,
Da gab's noch kein Patent;
Drum konnt's ein jeder wagen,
Und nimmer nimmt's ein End:
Wo sich zwei Herzen finden,
Gibt's Wort-Verlegenheit,
Und drum in Küssen künden
Sich beide Lust und Leid.

Theodor Winkler 


Mittwoch, 25. Januar 2017

Zuhause





Das Räuchlein
In Winters kaltem Frieden
bin ich immer gern zu Haus geblieben
und dort in meines Hauses Ruh
machte ich die Fenster und die Türen zu.

Viele Häuschen, die da schlafen gehen,
wenn die kalten Winde wehen
kauern tief im Schnee,
tragen weisse Kappen gegen Frost und Weh

Im Kamin ein Träumlein knistert
weil sich Mensch und Glück verschwistert.
Wer da Kummer hat und denkt sich arm
Räuchlein hier und Räuchlein dort,
aus dem Häuschen warm da wehet`s fort

Dienstag, 24. Januar 2017

Kälte


Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er's;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
und läßt's vorher nicht wärmen
und spottet über Fluß im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
haßt warmen Drang und warmen Klang
und alle warme Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn's Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert;

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich' und Seen krachen;
das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
dann will er sich tot lachen. -

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

So ist' er denn bald dort, bald hier,
gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und sehn ihn an und frieren.

Matthias Claudius

Montag, 23. Januar 2017

Alles still


Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Theodor Fontane 


Sonntag, 22. Januar 2017

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal,still mit Nebelglanz,
lösest endlich auch einmal meine Seele ganz.

Breitest über mein Gefild lindernd deinen Blick,
wie des Freundes Auge mild über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz froh . und trüber Zeit,
wandle zwischen Freud`und Schmerz in der Einsamkeit.

Fließe,fließe,lieber Fluss nimmer werd`ich froh.
so verrauschte Scherz und Kuss und die Treue so. 

Ich besaß es doch einmal was so köstlich ist,
dass man doch zu seiner Qual nimmeres vergisst.

Rausche,Fluss,das Tal entlang,ohne Rast und Ruh,
rausche,flüstre meinen Sang,Melodien zu.

Wenn du in der Winternacht wütend  überschwillst,
oder um die Frühlingspracht junger Knospen quillst.

Selig,wer sich vor der Welt ohne Hass verschließt,
einen Freund am Busen hält und mit dem genießt.

Was,von Menschen nicht gewusst oder nicht bedacht,
durch das Labyrinth der Brust wandelt in der Nacht.


Johann Wolfgang von Goethe

Der weiße Reif 23.1.17





Bäume grüßen ohne Blätter,
die Sonne täglich spät erwacht.
Das Futterhaus, der Vögel Retter,
und immer länger wird die Nacht.
Natur gehüllt, in schmucken Raureif,
auf Straßen, Wegen, glitzert Eis.
Ein Abendstern, mit langem Schweif,
der Wind gibt seine Schärfe preis.
In manchem Fenster Lichter funkeln,
die Jahreszeit, zeigt ihre Art.
Die Luft ist kalt, die Sterne munkeln,
der Winter kommt, mit langem Bart. 


Neuanfang

Sonne,Sterne,Mond von oben,schaun herab auf dich und mich,
woll`n das erstemal erproben,rauszuhalten einfach sich.

* * * * *

Warten in der weiten Ferne,wie es in der Nähe geht.
Würden manchmal wirklich gerne,wenn von uns herbei gefleht.

* * * * *

Aus der rechten Bah ausscheren,um zu helfen,unsichtbar,
das Vergessen zu vermehren,wegzuwischen,was mal war.

* * * * *

Neuanfang,so soll es laufen,alles alte sei vorbei,
um Vergang`nes nicht mehr raufen,so bekäme man es frei.

* * * * *

Das,was sich so festgefressen,in der letzten bösen Zeit.
Ist`s vielleicht doch zu vermessen,oder noch nicht ganz so weit?

* * * * *

Sicherheit,das möchten alle,schnell bekommen ohne Geld,
doch ganz leicht wird sie zur Falle,wenn zu sehr man fest sie hält.

* * * * *

Mutig musst du manche Schritte ausprobieren in der Not,
nicht beharren auf der Mitte,sonst bleibt die Beziehung tot.

* * * * *

Und wenn heimlich doch die Sterne,helfend uns zur Seite steh`n,
bei der Such` nach Pudels Kerne,den wir einfach nicht mehr sehn?

* * * * *

Lass sie`s tun zum guten Zwecke lehn dich nicht dagegen auf!
Duck dich hinter einer Hecke,nimm auch Mühsal mit in Kauf.`

* * * * *

Dann vielleicht mag es gelingen,was nur heimlich jeder denkt.
Fried`und Glück zurückzubringen,ohne dass sich wer verrenkt.

Samstag, 21. Januar 2017

Kälte hockt in allen Ecken.

Kälte hockt in allen Ecken,
Pfützen glänzen spiegelglatt.
Wo sich Felder brach erstrecken
träumen Bäume, ohne Blatt.

Habicht kreischt am Himmel droben,
dicke Felle flüchten Haken.
Eis hat sich ins Gras gewoben,
wie ein raues Laken.

Spatzen flattern scharenweise,
Krähenheere krächzen.
Weiße Last macht Wolkenreise,
bis die Fichten ächzen.

Die Ballerina



Still steht sie im Rampenlicht,
Musik ertönt ganz leis.
Sachte hebt sie ihr Gesicht,
dreht sich herum im Kreis.

Sie schwebt dahin, so leicht, grazil,
das kurze Röckchen wippt.
Tanzen ist ihr Lebensziel,
jetzt gibt es kein zurück.

Der Klang der Geigen sie erfasst,
wie in Trance tanzt sie nun.
Das Publikum dabei verblasst,
vergessen gewünschter Ruhm.

Voll Harmonie sie ganz und gar,
wird eins mit weichem Klang.
Auf Spitzen trippelnd wunderbar,
spürt sie der Seelen Gesang.

Mit Kraft und voller Leidenschaft,
wühlt sie Gefühle auf.
Sinkt zu Boden mit letztem Paukenschlag,
ihr Lohn, tosender Applaus.

Sonja Rabaza

Freitag, 20. Januar 2017

Mit auf die Reise

Ich kann dir keinen Zauberteppich schenken,
noch Diamanten oder edlen Nerz,
drum geb ich dir dies Schlüsselchen von Erz,
dazu mein ziemlich gut erhaltnes Herz,
zum Anmichdenken.

Ich kann dir keine braven Socken stricken
und meine Kochkunst würde dich nur plagen.
Drum nimm den Scherben rosarotes Glas,
der führt ins Märchenland Ichweißnichtwas
an grauen Tagen.

Ich kann dir nicht Aladins Lampe geben,
kein " Sesam " und auch keinen Amethyst.
Doch weil dein Herz mir Flut und Ebbe ist,
hier diese Muschel,schimmernd
wie von Tränen zum Nachmirsehnen.

Mascha Kaleko

Gewalten




Ein Wintertag
Von einem auf dem anderen Tag
kam ein kalter Wintertag.
Starker Frost und dichter Nebel.
bezwingt uns wie ein Knebel.
Und darauf nun ganz verwegen,
fällt Sonnenschein und Regen.

Ein Fauchen durchs Gelände zieht,
man keinen Baum und Strauch mehr sieht.
Und aus diesen Naturgewalten
entwickeln sich dunkle Gestalten.
Der starke Sturm mit Schneegestöber
dringt durch alle Glieder.

Auch Wiesen, Wald und Hecken
stecken schon unter weißen Decken.
Und der Sturmwind heult und pfeift
und nach unseren Mützen greift.
Doch wir laufen schnell dahin
nach Haus, zum wärmenden Kamin.
Vom Fenster sehen wir hinaus
Zum Wintertag mit Sturmgebraus.


Donnerstag, 19. Januar 2017

Der Frost


Heut’ Nacht hat der Frost durch seine Hand
das Land bedeckt mit seinem Glitzergewand.
Klirrende Kälte drohend überall steht,
knisternd  und knackend  wenn man geht.

Der Atem erstarrt, vereint mit der Luft,
zu grauem, eiskalten Nebelduft.
Berstendes Seufzen hört man im Holz,
wird sich nicht beugen vor des Frostes Stolz

Die Sterne am Himmel liegen versteckt
in süßem Schlummer, von Wolken bedeckt.
Eisig wandert der Frost durch den Tann,
lässt ihn erstarren in magischem Bann.

Wo er vorbeizieht mit kaltem Geschick
bleiben funkelnde Spuren zurück.
Verzaubern in Stille Bäume und Gras
und auf den Straßen das wartende Nass.

Bald wird er auch mich im Dunkeln entdecken
und mich mit frostigem Kuss erschrecken.
Ich werd’ nicht erliegen seinem eisigen Charme,
ich gehe ins Haus, dort ist es schön warm.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Winter




Erst gesten war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.

Alexander Puschkin

 

Dienstag, 17. Januar 2017

Landleben





Der blaue Schnee liegt auf dem ebenen Land,
Das Winter dehnt. Und die Wegweiser zeigen
Einander mit der ausgestreckten Hand
Der Horizonte violettes Schweigen.

Hier treffen sich auf ihrem Weg ins Leere
Vier Straßen an. Die niedren Bäume stehen
Wie Bettler kahl. Das Rot der Vogelbeere
Glänzt wie ihr Auge trübe. Die Chausseen

Verweilen kurz und sprechen aus den Ästen.
Dann ziehn sie weiter in die Einsamkeit
Gen Nord und Süden und nach Ost und Westen,
Wo bleicht der niedere Tag der Winterzeit.

Ein hoher Korb mit rissigem Geflecht
Blieb von der Ernte noch im Ackerfeld.
Weißbärtig, ein Soldat, der nach Gefecht
Und heißem Tag der Toten Wache hält.

Der Schnee wird bleicher, und der Tag vergeht.
Der Sonne Atem dampft am Firmament,
Davon das Eis, das in den Lachen steht
Hinab die Straße rot wie Feuer brennt.

Georg Heym


Montag, 16. Januar 2017

Eiszeit





Pinguins Winterträume
Am Südpol auf dem blanken Eis
spaziert ein Pinguin im Kreis.
Er legt mit träumerischen Blicken
die Flossen langsam auf den Rücken
und wandelt weiter, überlegend,
warum es wohl in dieser Gegend
(was ihn betrübt)- nichts Grünes gibt.

Er wünscht sich saftig grüne Wiesen,
auf denen üppig Blumen sprießen.
Da plötzlich schmelzen Eis und Schnee,
und Kräuter, Gras und grüner Klee
und tausend bunte Blumen blühn
um den erstaunten Pinguin,
der sich verdutzt - die Augen putzt.

Er ruft: Juhu und wirft sich auch
ins grüne Polster auf den Bauch.
ach, denkt er, was für schöne Dinge!
Jetzt fehlen nur noch Schmetterlinge!
Kaum, daß er diesen Wunsch getan,
fängt es ringsherum zu flattern an.
Schon sind -hurra- die Falter da!

Da hat er nun -lang hingestreckt-
seltsame Wünsche ausgeheckt;
Er wünscht sich himmelblaue Rosen
und gelbgestreifte Herbstzeitlosen.
Sogar Kakteen, stachlig wild,
und jeder Wunsch wird ihm erfüllt.
Da wird er kühn, - der Pinguin!

Er wünscht sich apfelgroße Fliegen
und sieben Meter lange Ziegen
und Löwen, größer als ein Schrank,
und Schlangen, kilometerlang.
Zum Schluß wünscht er sich einen Wal,
entsetzlich groß und kolossal.
Doch da -o Schreck- ist alles weg.

Die Wiese fressen ab die Fliegen,
die Fliegen werden von den Ziegen
gefressen, und den Ziegenhauf,
den fressen alle Löwen auf.
Die Löwen sterben durch die Schlangen.
Jedoch die Schlangen, all die langen,
die frisst der Wal - mit einem mal.

Der Wal, der plumpst zurück ins Meer.
Und nun ist alles wie vorher.
Der Pinguin, halb schwarz, halb weiß,
spaziert im Kreis wohl auf dem Eis
und denkt sich so beim Kreis-Beschreiben:
Man muß sich halt die Zeit vertreiben,
der eine so, - der andre so-.



Sonntag, 15. Januar 2017

Paternoster



Im Paternoster meines Lebens,
vom Grund zum Ziel, vom Ziel zum Grund
bin ich gereist,
Kaskaden von Gedanken sind vergebens,
auf einem Mühlrad Stund um Stund,
wie blind nur um sich selbst gekreist.

Selbst schnöder Milchkaffee am Morgen,
schmeckt beim Erwachen der Natur,
nach Nektar fein,
mein Schicksal ist im Satz verborgen,
ist Licht auf einer Sonnenuhr,
das Schatten wirft, um ganz zu sein.

Im Auf und Ab hör ich die Stimme,
sie schwört aufs Eigentlichste ein,
spricht aus dem Wind,
wo Geister so verlockend sind.
und will, dass ich mein Selbst erklimme,
statt mich der Flucht ins Man zu weihn.

Thomas Spiekermann

 

Schweben




Schnee, zärtliches Grüßen der Engel,
schwebe, sinke -
breit alles in Schweigen und Vergessenheit!
Gibt es noch Böses, wo
Schnee liegt?
Verhüllt, verformt er nicht
alles zu Nahe und Harte
mit seiner beschwichtigenden
Weichheit, und dämpft selbst
die Schritte des Lautesten in Leise?
Schnee, zärtliches Grüßen der Engel,
den Menschen, den Tieren! -
Weißeste Feier der Abgeschiedenheit.


----Francisca Stoecklin-----

 

Freitag, 13. Januar 2017

Der Frost


Der Frost hat mir bereifet des Hauses Dach; Doch warm ist mir es geblieben im Wohngemach. Der Winter hat die Scheitel mir weiß gedeckt; Doch fließt das Blut, das rote, durchs Herzgemach.

Der Jugendflor der Wangen, die Rosen sind
Gegangen, all gegangen einander nach -
Wo sind sie hingegangen? ins Herz hinab:
Da blühn sie nach Verlangen, wie vor so nach.

Sind alle Freudenströme der Welt versiegt?
Noch fließt mir durch den Busen ein stiller Bach.
Sind alle Nachtigallen der Flur verstummt?
Noch ist bei mir im Stillen hier eine wach.

Sie singet: "Herr des Hauses! verschleuß dein Tor,
Daß nicht die Welt, die kalte, dring ins Gemach.
Schleuß aus den rauher Odem der Wirklichkeit,
Und nur dem Duft der Träume gib Dach und Fach!"

Ich habe Wein und Rosen in jedem Lied,
und habe solcher Lieder noch tausendfach.
Vom Abend bis zum Morgen und Nächte durch
will ich dir singen Jugend und Liebesweh.


Friedrich Rückert

14.1.17

Morgengruß im Schneefall

»Herzlieb, guten Morgen!« hauch' ich leis'
In den
Schnee hinaus durch die Scheiben,
Daran die Flöckchen dicht und weiß
In den Lüften vorübertreiben!

Ich dank' dem Schnee, der sich mir lieh
Meinen
Gruß Dir zu bringen heute!
Schneit es auf Dich durch
Dein alt - Parapluie,
Denk, dass es
Küsse schneite!

Guten Morgen! Wann ans
Fenster Dir
Den
Schnee Du leise hörst schlagen,
Weißt Du, was seine Flöckchen von mir
Dir wollen neidvoll sagen?

Sie wollen Dir sagen: mein Lieben ist rein
Wie der Schnee, der in weißen Kristallen
Hell, blendend leuchtet ins
Auge hinein,
Wann frisch er vom
Himmel gefallen, -

Und dass meiner
Liebe solch Los nicht droht
Dass der Schnee, der blanke, gewärtig,
Mit dem verfließt der Straßenkot ...
Befleckend ihn widerwärtig! - -

Mein Lieben ja Dich umfangen hält,
Dich, den es in Reinheit bekränzet
Wie Schnee, der auf die Firne fällt,
Und im Alpenglühen glänzet! ...

 Sidonie Grünwald-Zerkowitz

Donnerstag, 12. Januar 2017

12.1.17 Frieden

Frieden,Frieden will ich rufen,
dass der Stern von Betlehem
nicht nur vor zweitausend Jahren,
als die Weisen aus dem Morgenland,
in dem Stall und an der Krippe waren.
Dunkelheit mit seinem Licht erhellt,
sondern dass die Waffen heute schweigen
und kein Mensch mehr um Gewalt und Hunger weiß,
dass die Mächtigen sich vor den Schwachen neigen
und es endlich Friede wird in dieser Welt,
der für alle Zeiten hält.

Frieden,Frieden will ich rufen,
dass der Stern auch heute
in dir aufgeht und mit hellem Licht
deine Angst und Trauer,Schmert und Schuld,
ein für alle Mal durchbricht
und jetzt ruhen kann,was gestern war,
dass sich deine Sehnsucht endlich stillt
und sich auf geheimnisvolle Weise,
in der Zukunft auch dein Lebenstraum erfüllt.
Tiefe Wünsche werden wahr:
So gesegnet sei dein neues Jahr.

Christa Spilling-Nöker

Mittwoch, 11. Januar 2017

Schneeflockentanz

Tanz der Schneeflocken
Schneeflocken fallen vom Himmel,
das ist ein lustig Gewimmel.
Es geht mal rauf, es geht mal runter,
sie sind so heiter, sie sind so munter.
Es ist ein Gleiten, es ist ein Schweben,
wie bei den Spinnen ein Wirken und Weben.
Fallen sie dann auf die Erde herab
ist es für sie endgültig das Grab.
Sie schmelzen dahin und werden zu Wasser,
davon wird die Erde immer nasser.
Dann kommt die Sonne, saugt sie auf
und trägt sie wieder zum Himmel hinauf.
Sind sie wenig später dann ausgeruht
geht es erneut hinunter zum Flug.
Da tanzen sie wieder und wirbeln dahin,
alles wiederholt sich im gleichen Sinn.
Ein ewiger Kreis im Laufe der Zeit
für alle Menschen zur Freude bereit.


Kindergarten


Das Feder-Geschwader sticht in See.

Die Tiere schwammen BILD-Leser-Reporter Matthias Juergens (48)

direkt vor die Linse.







Schöner Schnatterhaufen!

Ein Gänsepaar schwimmt auf der Elde in Plau am See

(Mecklenburg-Vorpommern) mit stolzen 26 Küken.

So viel Nachwuchs, kann das sein?

Ornithologe Klaus-Dieter Feige (64) erklärt die flauschige Kolonne:

„Was wir hier sehen, nennt man einen Gänsekindergarten.

Unter Graugänsen ist es ganz normal,

dass sie ihre Jungen in die Obhut von anderen Elternvögeln geben,

wenn sie sich auf die Nahrungssuche machen."

Gänse haben im Schnitt vier bis sechs Junge.