Freitag, 30. März 2018

Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen,
empor ins klarste Luftgebiet
und schmetterts hoch im Blau verborgen,
ein freudig Auferstehungslied.

Und wie sie schmetterte,da klangen 
es tausend Stimmen nach im Feld,
wach auf,das Alte ist vergnügt,
wacht auf,du froh vergnügte Welt.

Wacht auf und rauscht durchs Tal,ihr Bronnen
und lobt den Herrn mit frohem Schall.
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
ihr grünen Halm und Lauber all.

Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
ihr Primeln weiss,ihr Blüten rot.
Ihr sollt es alle mit verkünden,
die Liebe ist stärker als der Tod.

Wacht auf ihr Menschenherzen,
die ihr in Winterschlafe säumt.
In dumpfen Küsten,dumpfen Schmerzen,
ein gottesfremdes Dasein träumt.

Die Kraft des Herrn weht durch die Lande,
wie Jugendhauch,o lasst sie ein,
zerreisst wie Simon eure Bande
und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf,ihr Geister,deren Sehnen,
gebrochen an den Gräbern steht.
Ihr trüben Augen,die vor Tränen,
ihr nicht des Frühlings Blüten seht.

Ihr Grübler,die ihr fern verloren,
Traumwandelnd irrt auf düster Bahn.
Wacht auf,die Welt ist neu geboren,
hier ist ein Wunder,nehmt es an.

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
das über euch ergossen ward.
Es ist ein inniges Erneuern,
im Bild des Frühlings offenbart.

Was dürr war,grünt im wehn der Lüfte,
jung wird das Alte fern und nah.
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte,
wacht auf,der Ostertag ist da.

@ Emanuel Geibel

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